Ausgelesen: „Endgültig“
Im letzten November hat der Verkäufer der Buchhandlung #shakespeareundso in Mainz viel Zeit und Mühe aufgewandt, mich durch eine Auswahl an aktuell beliebten (deutschsprachigen) Thrillern zu führen. Meine Wahl fiel schließlich auf “Nur die Tiere” von Colin Niel, „Achtsam morden“ von Karsten Dusse und dieses Buch hier. Die ersten beiden habe ich schnell verschlungen. Für „Endgültig“ habe ich etwas länger gebraucht. Der Verkäufer hatte mich gewarnt, ich solle diesen Thriller zuletzt lesen, da man am Ende auf jeden Fall wissen will, wie es weitergeht. Nun, das ging mir nicht so.
Andreas Pflüger schreibt sehr wortgewaltig. Manchmal riecht man seinen Schweiß aus den Seiten, in nicht wenigen Momenten ächzt das Buch nur so von der Last seiner Bilder, die er am laufenden Band produziert („Sie ist starr, gefangen in einem Kokon von Angst“). Manchmal möchte man ihm auf die Schulter klopfen und ihm sagen: Hey, alles halb so schlimm. Pflüger rackert sich ab wie seine Figuren, denen an körperlichen und seelischen Qualen nichts erspart bleibt. Er lässt seine knallharten Polizist:innen und Schwerverbrecher ausgefeilte Monologe aufsagen, die leider immer wieder das Tempo aus der Geschichte nehmen und sich so versessen um Werte wie Ehre, Liebe, Freundschaft und Treue drehen, dass die Hauptfiguren dabei fast ihre Menschlichkeit einbüßen.
Am besten ist „Endgültig“ dann, wenn es richtig zu Sache geht. Die blinde Elitepolizistin Jenny Aaron, die auch angenehm wenig schwadroniert, wohl weil sie genau hinhören muss, was um sie herum passiert, bringt trotz ihres Handicaps Unglaubliches zustande, verprügelt Gegner halbnackt im eiskalten Wasser, springt im Schneesturm auf einen fahrenden LKW, schickt Mörder in Sekundenbruchteilen mit dem Bügel einer Sonnenbrille ins Jenseits. „Endgültig“ wird in diesen Momenten zu einem fast cineastischen Genuss. Wer Action so plastisch wie Pflüger schreiben kann, der hat ein dickes Schulterklopfen verdient. Davon hätte ich gerne mehr gelesen. Brauche aber jetzt erst mal eine Pause. Das durchgehende Gewicht seiner Sätze, die als Schwerstarbeit wahrgenommen werden wollen, hat bei mir ein paar blaue Flecken hinterlassen.